Besucher: 1804 (Heute: 1)
Menu
Drucken

Hagener Grüne stellen NOZ-Bericht zu "Grüne wollen Bestattungen reformieren", klar.

 

http://www.diegrueneninhagenatw.de/media/Martinus%20Friedhof%20in%20Hagen%202012%20010.jpg

Wir haben am 04. August 2014 einen Leserbrief an die NOZ und natürlich an den stellv. Fraktionsvorsitzenden der Hannover-Grünen gesendet.

Die Hagener Grünen distanzieren sich von diesen für uns nicht nachvollziehbaren Vorhaben.

Heute bekamen wir sofort eine Antwort von Thomas Schremmer, Stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen im Landtag von Hannover, der auf Anfrage der NOZ diese Stellungnahme abgab, aber uns mit Schreiben von Heute 05. August 2014 so äußerte. Hier die Antwort aus Hannover:

Liebe Karin, lieber Georg, liebe Hagener Grüne,

eines vorweg gesagt, als gebürtiger Ibbenbürener kann ich mich sehr gut auf meinen katholischen geprägten, westfälischen Verstand verlassen und wie meine Oma sinngemäß immer sagte: "Dat wellt wie so nich stohn looten".

Wie ihr sicher wisst, hat sich die Bremer Bürgerschaft dazu entschieden, in ihrem Bestattungsgesetz einige Änderungen vorzunehmen. Dazu bin ich in meiner Funktion als Sozial- und Gesundheitspolitiker der niedersächsischen (!) Landtagsgrünen von der Presse angesprochen worden. Das Bestattungsgesetz ressortiert hier in Niedersachsen im Sozialministerium.

Nun sind die Änderungen in Bremen bei weitem nicht revolutionär, es geht darum, mit einer Sondergenehmigung die Totenasche im eigenen Garten oder an öffentlichen Plätzen (ähnlich wie auf See) verstreuen zu dürfen - vorausgesetzt, der/die Verstorbene hat notariell diesen eigenen Wunsch bestätigt. Von einer Abschaffung des Friedhofszwanges kann gar keine Rede sein. Diese Neuregelung habe ich positiv konnotiert und die alte grüne (!) Forderung formuliert, dass wir in der heutigen pluralistischen Gesellschaft auch andere, individuell selbstbestimmte Bedürfnisse zum Umgang mit Totenruhe und Trauer berücksichtigen wollen und müssen! Das halte ich dann keineswegs für unwürdig gegenüber den Verstorbenen!

Menschenwürde orientiert sich m.E. am Individuum und eben nicht ausschließlich an gesellschaftlichen Konventionen oder Mehrheiten. Ich finde es auch, dass wir die politische Verantwortung z.B. dafür haben, dass Menschen anderer als christlicher Rituale verpflichteten Glaubensrichtungen gleichfalls ihre Bestattungen ohne sehr große Hemmnisse machen können. Aktuell gibt es z.B. in Niedersachen meines Wissens keine Möglichkeit, für Sinti und Roma die dort vorgesehenen Gruften Bestattungen vorzunehmen. Einige Veränderungen hat es ja auch gegeben, beispielweise die Möglichkeit der Urnenbestattung in Friedwäldern. Ich halte es also für richtig, weitere Veränderungen ins Gespräch zu bringen. Und noch eines vielleicht – Friedhofszwang gibt es außer in Österreich und Deutschland nirgendwo, eine im dritten Reich eingeführte Regelung - ich habe bisher nicht wahrgenommen, dass es z.B. im sehr christlich geprägten Spanien oder Italien ohne Friedhofszwang an Trauerorten mangelt.

Insofern zunächst einmal zur Sachaufklärung. Wir Landtagsgrüne haben also nicht vor, das Gesetz vom Kopf auf die Füße zu stellen, sondern es geht um eine (bereits angeschobene gesellschaftliche) Debatte, die wir führen sollten und so möchte ich meinen Beitrag verstehn!

Für mich selbst nehme die alte Tradition übrigens in Anspruch und bin immer wieder gern bei meiner Oma auf dem Ibbenbürener Friedhof und doch kenne ich eine Menge Menschen - die nicht alle aus Hannover kommen! - die sich ihren letzten Weg und ihre Ruhestätte woanders wünschen!

Viel Grüße einstweilen, Euer Thomas

gez. Thomas Schremmer

Bündnis 90/ Die Grünen im Landtag Niedersachsen, Hannover

Wir sind Thomas dankbar für die Richtigstellung!!

Fraktion

Bündnis 90/Die Grünen im Hagener Rat

Karin & Georg Hehemann                                                       05. August 2014

 

Meist gesehen: